Verein für Deutsche Spitze e.V.  

 

Der FCI-Standard - Volpino Italiano

FCI - Standard Nr. 195/19.1.2018/D

 

 ITALIENISCHER VOLPINO

(Volpino Italiano)

 

 

 

ÜBERSETZUNG: Frau Michèle Schneider. Überarbeitet für den VDH von Bettina Smith-Horn und Axel Komorowski
Offizielle Originalsprache (EN)
URSPRUNG: Italien
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL-STANDARDS: 13.11.2015
VERWENDUNG: Wach- und Begleithund
KLASSIFIKATION FCI: Gruppe 5 Spitze und Hunde vom Urtyp
  Sektion 4 Europäische Spitze
  Ohne Arbeitsprüfung

 

KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS: Der Volpino ist ein Abkömmling jener europäischen Spitze, die seit der Bronzezeit in den zentralen Gebieten unseres Kontinents lebten und deren fossile
Skelette im Umkreis der Pfahlbausiedlungen zutage gefördert wurden. So lässt sich der Volpino auf dieselben Vorfahren wie der deutsche Spitz zurückführen, von dem er kein Nachkomme, sondern Verwandter ist. Seit Jahrhunderten wurde er in Italien gezüchtet und in den Palästen des Adels ebenso wie in den Hütten der Wohnviertel des einfachen Volkes gehalten, wo man ihn ganz besonders wegen seines Schutzinstinktes und seiner Wachsamkeit schätzte. So zeigt der Maler Vittore Carpaccio auf seinem Bild Die Vision des Hl. Augustinus von 1502 den beliebten Hund. Er war auch der Hund Michelangelos und im 18. Jahrhundert unermüdlicher Begleiter der Fuhrleute der Toscana und Latiums, jederzeit bereit, jeden Fremden, den er auf seinem Wege antraf, lautstark zu vermelden. Der Standard wurde 1913 verfasst und während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Rasse sehr beliebt, verschwand dann aber. Einige weiße Exemplare tauchten dann 1968 wieder auf und so wurde der Volpino 1972 erneut registriert. Auch die früher bekannte rote Farbe lässt sich wieder finden.

 

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD: Kleinformatiger Spitztyp, kompakt, harmonisch, von langem, abstehendem Haar bedeckt.

 

WICHTIGE PROPORTIONEN: Die Körperlänge von der Schulterblattspitze bis zum Sitzbeinhöcker entspricht der Widerristhöhe. Die Fanglänge ist 4/10 der gesamten Kopflänge. Die Brusttiefe ist etwas geringer als die Hälfte der Widerristhöhe.

 

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN): Seiner Umgebung und seinen Vertrauten gegenüber sehr anhänglich, mit einem ausgeprägten Temperament, lebhaft, fröhlich und verspielt.

nach oben

KOPF: Pyramidenförmig, seine Länge erreicht beinahe 4/10 der Widerristhöhe.

 

OBERKOPF:

Schädel: Länger als der Fang und etwas eiförmig, sowohl in Längs- als auch in Querrichtung. Die Breite der Jochbeinbögen übertrifft die Hälfte der Kopflänge. Die Stirnmittelfurche ist nur wenig ausgeprägt, der Hinterhauptfortsatz leicht betont. Die oberen Begrenzungslinien von Schädel und Fang sind leicht konvergent.

Stop: Gut definiert.

 

GESICHTSSCHÄDEL:

Nasenschwamm: Groß, schwarz mit gut geöffneten Nasenlöchern. Von der Seite betrachtet, liegt er auf derselben Linie wie der Fang und steht nicht über den Vorderrand der Lefzen vor.

Fang: In der Länge kürzer als der Schädel mit konvergenten Seitenflächen, spitz, aber nicht übertrieben. Der Nasenrücken ist gerade. Von der Seite betrachtet, wird der untere Rand des Fanges vom Unterkiefer bestimmt.

Lefzen: Gleichwohl dick, sind die Lefzen eng anliegend und der Oberlippenrand ist in gerader Linie gestreckt. Die Schleimhaut des Lippenwinkels ist nicht sichtbar. Die Lefzenränder sind schwarz.

Kiefer / Zähne: Kräftige Kiefer, normal entwickelte weiße Zähne, gleichmäßig und vollzahnig. Scherengebiss, Zangengebiss wird toleriert.

Backen: Normal entwickelt, nicht vorstehend.

Augen: Gut geöffnet und von normaler Größe, Wachsamkeit und Lebhaftigkeit im Ausdruck. Rundlich, Augäpfel aber nicht vorstechend, nach vorne gerichtet: Augenlider schmiegen sich
vollkommen an die Form des Augapfels an. Die Farbe der Iris ist dunkelbraun; die Lidränder sind schwarz pigmentiert.

Ohren: Dreieckige Form, aufrecht getragen; sie besitzen einen steifen Knorpel und ihre Innenseite weist nach vorn. Sie sind hoch angesetzt und stehen eng zusammen. Die Länge der Ohren misst in etwa die Hälfte der Kopflänge.

 

HALS: Die Länge entspricht ungefähr der des Kopfes. Der Hals wird immer hoch getragen. Muskulös. Die Haut liegt gut an.

 

KÖRPER: Quadratisch gebaut; gemessen zwischen Buggelenk und Sitzbeinhöcker entspricht seine Länge der Widerristhöhe.

Obere Profillinie: Die Rückenlinie ist gerade, im Lendenbereich leicht konvex.

Widerrist:  Leicht aus der Rückenlinie hervortretend, harmonisch am Hals angesetzt.

Rücken: Gerade, kräftige Muskulatur, länger als die Lende.

Lende: Kurz, breit, gut bemuskelt und leicht gebogen.
Kruppe: Sie verlängert die Lendenlinie und ist länger als breit. Zwischen Hüfte und Schwanzwurzel beträgt ihre Neigung zur Horizontalen 10°. Gut bemuskelt.
Brust: Sie reicht bis zu den Ellbogen hinab; die Rippen sind gut gewölbt. Der Brustbeinbereich ist lang, aber das Brustbein überragt nicht die Schulter.
Untere Profillinie und Bauch: Vom Brustbein zum Bauch steigt die untere Linie nur wenig an. Die Einbuchtung an den Flanken ist etwas betont.

nach oben

RUTE: In der Verlängerung der Kruppe hoch angesetzt, wird sie immer auf dem Rücken gerollt getragen und erreicht den Hals so nah wie möglich. Sie misst etwas weniger als die Hälfte der
Widerristhöhe. Die Rute ist kräftig an der Wurzel und verengt sich hin zur Rutenspitze; sie ist mit reichlich langem Haar bedeckt.

 

GLIEDMASSEN

 

VORDERHAND:

Allgemeines: Die Läufe sind völlig senkrecht zueinander und parallel zur Medianebene des Körpers gestellt. Die Höhe der Ellenbogen beträgt etwas mehr als die Hälfte der Widerristhöhe.
Schulter: Die Länge des Schulterblattes entspricht ¼ der Widerristhöhe und seine Neigung zur Horizontalen beträgt 60°. Gut entwickelte Muskulatur. Die Winkelöffnung Schulterblatt-Oberarmbein beträgt ungefähr 125°.
Oberarm: Er ist länger als das Schulterblatt und seine Neigung zur Horizontalen beträgt 65°.
Ellenbogen: Sie sind zur Medianebene des Körpers parallel. Der Winkel zwischen Oberarmbein und Speiche beträgt 155°.
Unterarm: Länger als der Oberarm, fein aber mit starkem Knochenbau, trockene Muskulatur.
Vorderfußwurzelgelenk: Kräftig, fast so breit wie der Unterarm.
Vordermittelfuß: Fast so breit wie der Unterarm: leicht abfallend.
Vorderpfoten: Sie sind oval mit eng aneinander liegenden und gewölbten Zehen. Kräftige Ballen mit schwarzer Pigmentierung, die Krallen sind vorzugsweise schwarz.

 

HINTERHAND:

Allgemeines: Von hinten betrachtet müssen die Hinterläufe vom Sitzbeinhöcker bis zum Boden vollkommen vertikal und parallel zueinander stehen.
Oberschenkel: Die Länge entspricht 1/3 der Widerristhöhe; breit mit gut entwickelter Muskulatur. Zur Horizontalen 60° geneigt; der Winkel Hüftbein-Oberschenkelbein beträgt 90°.
Knie: Parallel zur Medianebene des Körpers; der Winkel Oberschenkelbein-Schienbein beträgt 115° bis 120°.
Unterschenkel: Er ist etwas weniger lang als der Oberschenkel, von leichtem, aber kräftigem Knochenbau und zur Horizontalen um 55° bis 60° geneigt. Gut bemuskelt.
Sprunggelenk: Kräftig, aber nicht breit. Der Winkel Schienbein-Fußwurzel beträgt 145° bis 150°.
Hintermittelfuß: Er steht vollkommen senkrecht und parallel, sowohl von hinten wie auch von der Seite betrachtet. Ausreichend breit. Der Abstand vom Fersenbeinhöcker zum Boden misst etwas mehr als 25% der Widerristhöhe.
Hinterpfoten: Sie sind oval mit eng aneinander liegenden und gewölbten Zehen. Kräftige Ballen mit schwarzer Pigmentierung, die Krallen sind vorzugsweise schwarz.

nach oben

GANGWERK:  Im normalen Trab nicht hüpfend. Der charakteristische Galopp entspricht mehr dem Schritt eines Ausdauerläufers, als dem eines Sprinters. Bewegungsablauf gleichmäßig ohne weit auszugreifen.

 

HAUT: Überall anliegend und straff, ohne jede Schlaffheit.

 

HAARKLEID

 

Haar: Dicht, sehr lang, außergewöhnlich gerade und abstehend. Es ist von einer rauen Textur mit steifen Grannenhaaren; es darf nie flach anliegen, auch bei knapper Behaarung muss es abstehen. Der Rumpf scheint wie von einem Muff umhüllt, speziell am Hals, wo das Haar einen reichen Kragen bildet, aber keine Mähne. Der Kopf ist mit halblangem Haar bedeckt, das den Ohransatz versteckt. Am Fang ist das Haar kurz. Auf den Ohren ist das Haar sehr fein und kurz. Die Rute ist mit sehr langem Haar bedeckt. An der Rückseite der hinteren Gliedmaßen bildet es Hosen.
Farbe: Einfarbig weiß oder rot. Champagnerfarben wird toleriert, ist aber nicht erwünscht. Die weiße Farbe sollte klar und die Intensität von milchweiß haben. Blasse buisquitfarbene Schattierung an den Ohren wird toleriert, obwohl es fehlerhaft ist. Die rote Farbe ist ein intensives hirschrot; hellere Nuancen werden an Rute und Hosen toleriert.
Etwas weiß an den Pfoten wird toleriert, ebenso eine leichte Dunkelfärbung an Kragen und Schultern.

 

nach oben

GRÖSSE:

 

Widerristhöhe: Rüden: von 27 bis 30 cm
  Hündinnen: von 25 bis 28 cm.

 

Gewicht: Proportional zur Widerristhöhe.

 

FEHLER: Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte und dessen
Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes zu beachten ist.

 

  • Schädel zu lang oder zu schmal.

  • Fang zu lang.

  • Nasenschwamm mit heller Pigmentierung.

  • Umgekehrtes Scherengebiss.

  • Helle Augen.

  • Zu kleine Ohren.

  • Grober und schwerer Körperbau.

  • Körper eher lang, nicht quadratisch.

  • Haarkleid ohne Volumen.

  • Mähne anstatt Kragen.

  • Grannenhaare fallen glatt herab.

  • Größe um mehr als 2 cm über den im Standard angegebenen Maßen.

 

SCHWERE FEHLER:

  • Apfelkopf.

  • Hervorstechende Augäpfel, ovale Augenform.

  • Flacher Stopp.

  • Spitzer Fang.

  • Fehlen von zwei oder mehreren Zähnen (außer PM1 und M3).

  • Vorbiss.

  • Rechteckiger Körper.

  • Rute zwischen den Hinterbeinen hängend.

  • Fehlen der Unterwolle.

  • Wolliges Grannenhaar.

  • Weiße Pfoten bei Hunden mit rotem Fell.

  • Rotes Fell mit tiefschwarzen Deckhaaren.

DISQUALIFIZIERENDE FEHLER:

  • Aggressive oder übermäßig ängstliche Hunde.

  • Hunde, die deutlich physische Abnormitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.

  • Fehlen des Rassetyps.

  • Gewölbter Nasenrücken.

  • Rückbiss.

  • Völlige Depigmentierung von Nasenschwamm und Augenrändern.

  • Glasauge.

  • Vollständig hängende Ohren.

  • Fehlender oder zu kurzer Schwanz, gleich ob angeboren oder erworben.

  • Alle Farben, außer Weiß, Rot oder die nicht erwünschte Champagnerfarbe.

  • Rote Flecken bei Grundfarbe Weiß, weiße oder schwarze Flecken bei Grundfarbe Rot.

 

N.B.:

  • Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

  • Zur Zucht sollen ausschließlich funktional und klinisch gesunde, rassetypische Hunde verwendet werden.

 

Den aktuellen Rassestandard der FCI können sie hier als PDF herunterladen - oder direkt von der Seite der FCI.

 

 



nach oben

 
Verein für Deutsche Spitze e.V.
gegründet 1899